Bestände

Das Karl-Rahner-Archiv ist ein Personenarchiv und bewahrt den wissenschaftlichen Nachlaß Karl Rahners. Der Bestand wird durch Erwerbungen und Widmungen, die in enger Beziehung zu den vorhandenen Unterlagen stehen, Lücken schließen oder das Umfeld und die Werkentwicklung Karl Rahners dokumentieren, laufend ergänzt. Aus der ersten Innsbrucker Zeit kommt dabei auch die enge Zusammenarbeit mit Karl Rahners Bruder, dem langjährigen Patristiker und Kirchenhistoriker Hugo Rahner SJ (1900–1968), aber auch mit Kollegen wie dem Liturgiewissenschaftler Josef Andreas Jungmann SJ (1889–1975) ins Blickfeld.

Den Hauptbestand des Archivs stellen die veröffentlichten (Entwürfe, Skizzen, ausgearbeitete Vorträge, Bücher, Codices und zahlreiche Gutachten v. a. aus der Konzilszeit) und unveröffentlichten eigenen Arbeiten dar (bis 1984 ca. 4000 Titel). Neben literarischen Dokumenten befinden sich im Nachlaß auch Korrespondenz, zahlreiche Fotos, persönliche Dokumente, eine kleine Handbibliothek, Medaillen, Orden und Ehrendiplome sowie Schallplatten, Video- und Tonkassetten.

Die Vorarbeiten für Karl Rahners Veröffentlichungen sowie unveröffentlichte Gutachten, Entwürfe und die Korrespondenz wurden in zum Teil mit Entstehungshinweisen versehenen Ordnern erst seit 1964 aufbewahrt, nachdem Karl Rahner an die Universität München gewechselt war. Diese Sammelmethode ging auf die Initiative seines damaligen Mitarbeiters Dr. Dr. Karl Lehmann, des emeritierten Bischofs von Mainz, langjährigen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und Kardinals, zurück.

Seit der Renovierung der Theologischen Fakultät war das Archiv bis zur Übersiedlung im Februar 2008 im neuen Gebäude, dem früheren, 1562 von Petrus Canisius SJ gegründeten Jesuitenkolleg untergebracht. Seit dem Umzug nach München ist das Karl-Rahner-Archiv als eigenständige Abteilung dem Archiv der Deutschen Provinz der Jesuiten eingegliedert: Selbständige Schriften Karl Rahners, Schriften, an denen er beteiligt war oder die er herausgegeben hat, sind in den Benutzerräumen des Archivs (Kaulbachstr. 22a), die übrigen Materialien – etwa zwei Drittel des Bestands – im Magazin des Archivs (Kaulbachstr. 31a) untergebracht.

Auf erste, im Auftrag von Walter Kern durch Mag. Józef Niewiadomski (heute Ordiarius für Systematische Theologie und Dekan der Theologischen Fakultät Innsbruck) erfolgte Vorarbeiten (1) wurden die Bestände seit 1985 in verschiedenen Etappen von Roman A. Siebenrock gesichtet, geordnet und ergänzt (2). Die heutige Archivtektonik richtet sich weitgehend nach jener Ordnung, die Karl Rahner noch zu Lebzeiten eingerichtet hat. Als formales Ordnungssystem wurden Kriterien der Bayerischen Staatsbibliothek in München übernommen. Der Bestand gliedert sich in folgende Unterabteilungen:

  1. Werkmanuskripte: Umfaßt alle von Karl Rahner eigenhändig oder von ihm veranlaßten Aufzeichnungen, gleichgültig welcher Form und welchen Inhalts, die zum Werk zu rechnen sind (Manuskripte, Notizen, eigene Publikationen, Ton- und Bildaufzeichnungen, aber auch Dokumente mit fraglicher Autorschaft und Dubletten – zumeist Durchschläge – von Manuskripten). Darunter fallen die Aufgaben als Herausgeber und als Mitglied verschiedener wissenschaftlicher und kirchlicher Arbeitsgruppen (mit der entsprechenden Korrespondenz).
  2. Briefe: Hier werden alle schriftlichen Mitteilungen an und von Personen und Institutionen zusammengefaßt. Soweit dabei Dritte betroffen sind, gelten besondere Sperrfristen.
  3. Lebensdokumente: Darunter sind amtliche und private Zeugnisse zu verstehen, die biographisch authentische Daten bieten.
  4. Sammelstücke: Unterlagen, die in engem Zusammenhang mit dem Nachlasser stehen, aber nicht zu den Werken gezählt werden können (u. a. Studienunterlagen aus der eigenen Ausbildungszeit; Nachschriften von Vorlesungen, Seminaren, Predigten, Gesprächen, Vorträgen; Festschriften; Arbeiten, die bei Karl Rahner erstellt worden sind; Fotos, Porträts, Karikaturen).
  5. Zweites Vatikanisches Konzil: Eine eigene Abteilung wurde für das Konzil eingerichtet. Ein großer Teil dieser Unterlagen befand sich bei Prof. Dr. Elmar Klinger (Würzburg), dem Herausgeber der Festschrift zum 80. Geburtstag Karl Rahners („Glaube im Prozeß“) und gelangte erst später ins Karl-Rahner-Archiv zurück.
  6. Sekundärliteratur: Neben der Betreuung von wissenschaftlich Interessierten, der Sammlung und Dokumentation der laufend erscheinenden Primär- und Sekundärliteratur ist das Archiv eine unersetzliche Quelle und Auskunftsstelle bei der Edition der auf 32 Bände angelegten „Sämtlichen Werke“ Karl Rahners, deren erster Band 1995 erschien.


Seit November 2008 werden die Bestände des Archivs gesichtet und mittels einer Archivdatenbank elektronisch erfaßt. Die bisherigen Archivsignaturen (KRA I, A usw.) bleiben, soweit möglich, erhalten.


(1) Vgl. Ein Professor mit Krawatte! Im Gespräch mit Józef Niewiadomski, Innsbruck, in: A. R. Batlogg – M. E. Michalski (Hg.), Begegnungen mit Karl Rahner. Weggefährten erinnern sich. Freiburg 2006, 306-313, 308 f.: „Pater Kern hat sich sehr darum bemüht, daß jemand für die Bearbeitung des Archivs freigestellt wird. Da ich Assistent am Institut war, hat er mich mit den ersten Sortierarbeiten beauftragt. Verschiedene Dinge waren natürlich von den Jesuiten schon aussortiert, vor allem ungedruckte Sachen. Ich habe einfach angefangen, die Veröffentlichungen Pater Rahners zu ordnen und aufzustellen. Wir haben uns einen kleinen Stempel zugelegt: ,Rahnerarchiv‘. Pater Kern war gewissermaßen der erste Archivar, und ich war gewissermaßen der Hilfsknabe. Dann kam der Gedanke, daß man sich bewerben kann um finanzielle Unerstützung des ,Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung‘ in Österreich. Das ist dann auch geglückt. Eine halbe Stelle wurde bewilligt, der Posten wurde ausgeschrieben, es gab etliche Bewerbungen. Ich habe alle zusammen mit Pater Kern gelesen, und er hat damals Roman Siebenrock ausgewählt. Dann wurde ich abgelöst. Die Reihenfolge der ersten Ordnung im Archiv geht aber auf mich zurück.“

(2) Vgl. R. A. Siebenrock, Erfahrungen im Karl-Rahner-Archiv, in: Stimmen der Zeit Spezial 1 – 2004, 31-42; Nachdruck in: A. R. Batlogg – M. E. Michalski (Hg.), Begegnungen mit Karl Rahner, 343-358.